Forschungsprojekt Bio-Protect EPS zur innovativen Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners 2022

Forschungsprojekt Bio-Protect EPS: Versuch nach Artikel 56 (Forschung und Entwicklung) der VERORDNUNG (EU) Nr. 528/2012 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 22. Mai 2012: Terrestrischer Beschuß von Eichenprozessionsspinner-Nestern mit insektenpathogene Pilz-Paintball-Kugeln

Seit einigen Jahrzehnten liegt der Schwerpunkt meiner Forschungstätigkeit in den Themenfeldern Entomologie, Waldschutz, Forstzoologie und Wildtiermanagement. Zum Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea = EPS) forsche ich im angewandten Bereich in Kooperation mit der BASF, der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), dem Department für Nutztierwissenschaften (DNTW) der Georg-August-Universität Göttingen und dem Baumdienst Ekarius aus Gifhorn (Rohe et al. 2021; Forkel et al. 2022). Dazu konnten schon neue Bekämpfungsmethoden entwickelt werden (z. B. EPS Solve, siehe Transferleistungen), die inzwischen Standardanwendungen sind.

Für die zielgenaue, biodiversitätsverträgliche, anwenderfreundliche und ökonomische Behandlung ab dem 3. Larvenstadium (Nestbau-Beginn) habe ich in Zusammenarbeit mit dem Baumdienst Ekarius eine neue Applikationstechnik mit einem entomopathogenen Pilz entwickelt. Im Labor und im Halbfreiland waren die Versuche sehr erfolgreich. Mit einem Luftgewehr wird eine Paintball-Kugel auf ein bestehendes EPS-Nest mit niedrigem Druck geschossen. Für den Mikroorganismus ist keine Einstufung zur Umweltgefährdung oder umweltrelevanten Vorsichtsmaßnahmen gemäß den Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (GHS) notwendig. Auch sind keine Gefahrenhinweise erforderlich. Dessen Sporen werden in das Nest gestreut und keimen schnell aus. Binnen Stunden (Temperatur- und Feuchtigkeitsabhängig) verpilzt das Nest mit den Raupen vollständig (Abb. 1). Dabei werden die Gifthaare (Setae) sehr gut gebunden. Durch den Einsatz der Schusswaffe ist die Behandlung vom Boden aus ohne Hubsteiger-Einsatz bis in Baumhöhen von 30 m möglich. Die Trefferlage kann durch die beigefügte gelbe Farbe gut kontrolliert werden. Die Paintball-Kugelhülle besteht aus Speisegelatine. Gefüllt ist sie mit Velifer, gelber Farbe und Speiseöl. Der Schütze trägt eine FFP2-Maske und eine Schutzbrille. Ein doppelter Schutzanzug ist nicht notwendig. Dadurch ist für den Anwender die Applikation erheblich angenehmer. Auch können wesentlich mehr Bäume pro Zeiteinheit ohne Qualitätsverlust behandelt werden. Zur Anwendung werden die Baumkronen-Projektionen abgesperrt. Bei starkem Wind erfolgt keine Applikation.

Das Umweltbundesamt (Dr. Güth, FG IV 1.3.1 – Pflanzenschutzmittel) unterstützt mein Forschungsvorhaben. Die Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen werden am jeden zehnten Baum mit handelsüblichen Leimringen und Handfängen erfasst.

Die Applikationen erfolgen nicht in Schutzgebieten.

Zusammenfassung

Bio-Protect EPS (neues innovatives Verfahren mit heimischen Pilzen)

  • heimischer Pilz wird eingesetzt. Dieser tötet binnen Stunden die Raupen im Nest (Temperatur- und Feuchtigkeitsabhängig)
  • die Brennhaare werden durch den Pilz gebunden
  • es entsteht kein Abfall, da das Nest im Baum verbleibt
  • durch die zielgenaue Applikation mit einem Luftgewehr werden andere Tiere nicht beeinträchtigt
  • das Verfahren ist schnell, effizient, anwenderfreundlich und ökonomisch
  • z. Z. nur als Flächenversuch mit meiner Arbeitsgruppe möglich

Gez. Prof. Dr. W. Rohe